Bindungstheorie

39

Die Bindungstheorie, die ihren Ursprung in dem Modell der Mutter-Kind Beziehung hat (Ainsworth, Bowlby), geht von der Annahme aus, dass alle Menschen ein angeborenes Bedürfnis haben, in engen, liebevollen, zuverlässigen, vorhersehbaren und regelmäßigen Bezügen zu einem oder einigen wenigen Menschen zu stehen. Häufig sind es die leiblichen Eltern, die diese grundlegenden und für eine sichere Bindung unverzichtbaren Elemente erfüllen.

41Nur wenn diese Bedingungen erfüllt sind, kann das Kind eine sichere Bindung zur Bezugsperson/ zu den Bezugspersonen aufbauen, Explorationsverhalten zeigen und eine gelungene Balance zwischen Autonomie und Bindung entwickeln.

In der Regel verfügen die Kinder und Jugendlichen, die bei den Sozialpädagogischen Familien aufgenommen werden, nicht über eine sichere Bindung.

Im Alltag mit den im Rahmen der Jugendhilfe aufgenommenen Kindern in Wohngruppen oder SPLG´s führen die gestörten Bindungsstile häufig zu etwas, welches in Fachkreisen oft als “Narzissmus Falle” bezeichnet wird.

Daher achten die Sozialpädagogischen Familien in Form von Beratung und Supervision besonders auf eine gute Beziehungsgestaltung zwischen Mitarbeitern und aufgenommenen Kindern. Dies kann zum Beispiel bedeuten, dass für stark traumatisierte Kinder ein “mittlerer professioneller” Beziehungsabstand besser ist, als ein zu intensiver.

In diesem Zusammenhang ist ein achtsamer Blick auf die Grenzen der professionellen Helfer für uns von allergrößter Bedeutung: Es geht nicht darum, “alles” zu geben und bis an die eigenen Grenzen der Belastbarkeit zu gehen, sondern darum, einen Mittelweg zu finden zwischen professioneller Reflexion und persönlichem Engagement.

Eine gelungene Bindung bedeutet für unsere Kinder:

  • Nähe, ein Grundbedürfnis, wenn auch mit oben genannten Einschränkungen.
  • Sichere Basis, von der aus die Welt erkundet und in Besitz genommen werden kann. Ohne sichere Basis ist die Umwelt nur Bedrohung.
  • Zufluchtsort bei belastenden Gefühlen wie Schmerzen, Angst, Schrecken – gegen die Einsamkeit.
  • Wahrnehmung der eigenen Person und angemessene Reaktion. Das heißt Rückmeldung der sozialen Umwelt, damit sich das Selbstbild realistisch entwickeln kann.

40

Menü auf / zu